Barfuss
gehen
ist gesund
|
|
Über die Erden
(Martin Auer)
Über
die Erden muaßt barfuß gehen.
Ziag d'Schuach aus, die machen die blind!
Dann kannst den Weg mit die Zechn sehn,
des Wasser, den Wind ...
Sollst
mit di Sohln auf d'Stana steign,
mit der nackerten Haut.
Wird dir die Erden a bald zeign,
daß dir vertraut.
Gspür
des nasse Gras auf die Füaß,
gspür, wie trocken is der Staub.
Gspür, wie dich streichelt das Moos so süaß,
gspür, wie's knistert im Laub.
In'n
Bach muaßt einesteign,
durchs Wasser muaßt auffegehn,
untern Wasserfall muaßt die stelln
mit'm Gsicht in die Höh,
mit der Wangen auf d'Erd in die Sunn di legn.
Lieg
ganz still, riach die Erden und gspür, wie aufsteigt aus ihr a riesige
Ruah. Und dann is die Erden ganz nah bei dir Und du waßt, du ghörst zu
allem dazua |
|
- kräftigt Muskeln, Bänder und Gelenke, verbessert die motorischen Fähigkeiten
-
stärkt die Immunabwehr, insbesondere bei kaltem Wetter (Kneipp-Effekt).
-
verbessert die Blutzirkulation in den Beinen und beugt damit aktiv
verschiedenen Leiden aufgrund mangelnder Durchblutung vor.
- Reflexzonen werden
massiert, was einen positiven Effekt auf den ganzen Körper
hat. Stress wird ab- und Entspannung aufgebaut. Der
Blutdruck wird ausgeglichen.
- Deformationen
der Füße, die erhebliche Gehbeschwerden verursachen können, entstehen
nur durch das Tragen unpassender Schuhe. Sogar wenn bereits Fußschäden
vorliegen, lindert sie das simple Barfuss laufen in der Regel besser als
Einlagen. Am besten eignet sich hierfür natürlich unebenes und
abwechslungsreiches Gelände.
Grundregeln
für den Start
- Den
Fuß immer gerade aufsetzen und
nicht schlurfen. Das Gewicht sollte mehr auf den Vorderballen liegen, da
diese durch ihre flexible Haut mit Unebenheiten besser umgehen können als
die Ferse und auch die Gelenke durch die Federwirkung des Fußes geschont
werden. Immer den Weg im Auge behalten - wenn es woanders etwas zu sehen
gibt, lieber stehen bleiben. Wenn du fühlst, dass du auf etwas
Unangenehmes trittst, solltest du schnell genug reagieren und woanders
hintreten können.
- Allmählich
steigern: Zu Beginn, bzw. nach
einer Winterpause muss man in den ersten Wochen noch einer erhöhten
Verletzlichkeit der Sohlenhaut Rechnung tragen.
- Grillplätze,
Straßenränder, etc. sind oft
mit Glasscherben dekoriert und deshalb mit Vorsicht zu genießen.
- Von
Weidezäunen kann Stacheldraht
weghängen - vor allem an Durchlässen muss man vorsichtig sein!
- Etwas
Verbandsmaterial mitzuführen ist
sowohl beschuhten als auch barfüßigen Wanderern anzuraten - zumindest
eine Pinzette, Heftpflaster und elastische Binde.
- Stachliges:
Zwischen blühenden Blumen (vor
allem Klee) sollte man deshalb gut auf Wespen und Bienen achten!
Allergiker sollten (auch wenn sie Schuhe tragen!) immer ein wirksames
Gegenmittel mit sich führen. Stiche durch Dornen sind harmlos, wenn man
den Stachel sofort wieder geradlinig herauszieht und ein ausreichender
Tetanusimpfschutz vorhanden ist.
- Regelmäßiges
Eincremen der Füße verhindert
Hornhautrisse und versorgt die Haut mit Fett. Es macht viel mehr Spaß als
Lederpflege am Schuh. Sonnenschutzcremes verhindert Sonnenbrand auf nicht
vorgebräunten Fußrücken.
- Brandblasen
kann man sich an Metall (Gullydeckel, Schienen) und auf Asphalt in der
Sonnenglut holen.
|
Barfußlaufen
Im
Erbgut des Menschen ist die Fähigkeit zu laufen genetisch verankert. Und
zwar ohne Hilfsmittel: ohne dämpfende oder stützende Laufschuhsohlen, auf
natürlichem Boden. So wie wir es aus den Berichten der ostafrikanischen
Spitzenläufer kennen, die von kilometerlangen Schulwegen zu erzählen
wissen, die sie täglich zurücklegen mussten - und das natürlich barfuß,
im Laufschritt.
Der menschliche Fuß hat keine großartig
gepolsterten Areale, keine Luftkissen, mit denen das Körpergewicht weich
abgefangen werden könnte. Aber er ist ein sehr anpassungsfähiges, wenn
auch kompliziertes Gebilde. Durch eine Konstruktion aus zwei annähernd
senkrecht zueinander stehenden Gewölben können sehr hohe Druckbelastungen
abgefangen werden. Die eigentliche Stärke des menschlichen Fußes besteht
dabei nicht in seinen statischen, sondern in seinen dynamischen Fähigkeiten.
Eine Vielzahl von Gelenken, bewegt, aber auch ggf. fixiert durch die Fuß-
und Unterschenkelmuskulatur, ermöglicht dem Fuß die Anpassung an
unterschiedlichste Bodenverhältnisse und Belastungsanforderungen.
Beim Gehen wird der Fuß vergleichsweise
vorsichtig mit der Ferse auf den Boden aufgesetzt. Stöße, Prellungen etc.
werden aufgrund der hervorragenden Fähigkeit des Menschen zur
Bewegungssteuerung (sog. Propriozeption) vermieden. Beim Laufen sind die
auftretenden Kräfte zwei- bis dreimal höher als beim Gehen. Hier ist die dünne
Schicht von Organfett unter der Ferse schnell überfordert. Zudem kann von
einem echten "Abrollen" des Fußes keine Rede sein. Denn das Längsgewölbe
ist - zumindest beim gesunden Fuß - an der Fußsohle konkav.
Folglich berührt beim Barfußlaufen ganz
unwillkürlich zuerst der Vorfuß den Boden - ähnlich wie beim Laufen auf
der Stelle. Die Beweglichkeit der Gelenke und die Dehnfähigkeit der
Muskulatur sorgen dabei für einen effektiven Schutz des Bewegungsapparates.
Sie dienen zum Einfedern und damit zur Dämpfung der Belastung beim Laufen.
Besonders wichtig in dieser Phase ist
der dreiköpfige Wadenmuskel (M. triceps surae), der durch exzentrische
Kontraktion (Kraftentfaltung als Widerstand gegen passive Dehnung) hohe Kräfte
abfangen kann. Aktiv stabilisiert wird der Rückfuß mit Hilfe des hinteren
Schienbeinmuskels (21) und des Großzehenbeugers (19), die das Sprungbein in
seiner anatomischen Position fixieren. Zusätzlich wirken der vordere
Schienbeinmuskel (17) und der lange Wadenbeinmuskel (26) wie ein Steigbügel.
All diese Funktionen werden quasi geopfert, wenn
der Fuß mit der Ferse zuerst aufgesetzt wird.
Fersen- oder Vorfußläufer?
Zugegeben, wir, die in Industrieländern
lebenden Menschen, laufen nur noch sehr selten barfuß. Natürliche
Bodenverhältnisse, die das erlauben würden, finden sich noch auf einigen
Rasenflächen oder im Urlaub am Strand. Und selbst dort spüren wir, dass
die Haut unserer Füße weich und entwöhnt ist. Blasen und aufgescheuerte
Stellen treten schneller auf, als uns lieb ist.
Dennoch, Barfußlaufen ist die natürlichste
Art der Fortbewegung jenseits von Gehen. Für diesen Bewegungsablauf sind
der Fuß, das Bein, die Muskulatur, die Gelenke des Menschen gemacht. Ihr
harmonisches Zusammenspiel ist die Folge einer mittlerweile Millionen von
Jahren währenden Entwicklung. Weich gedämpfte Laufschuhe haben in der
Evolution hingegen keine Rolle gespielt.
Also erscheint es sinnvoll, sich bei der
Suche nach dem eigenen, individuellen Laufstil an den natürlichen
Gegebenheiten zu orientieren und nicht ein bewährtes Bewegungssystem dem
industriellen Fortschritt zu opfern - mit unbekannten Folgen. Der Laufstil,
der barfuß der beste ist, sollte uns also auch dann als Maßstab dienen,
wenn wir Laufschuhe tragen.
In der Natur gilt das Prinzip der Nutzung. Use
it, or lose it! Nutze es, oder verlier' es! Fähigkeiten, die nicht
eingesetzt werden, gehen verloren. Andererseits kann durch immerwährendes
Üben auch ein Greis geistig wach und frisch, eine Tänzerin im hohen Alter
noch beweglich und gelenkig sein wie ein junger Mensch. Insofern sollten wir
versuchen, unsere Muskulatur und Gelenke beim Laufen einzusetzen und als
Federungs- und Dämpfungsmechanismen zu nutzen. Diese Funktion sollten wir
nicht alleine dem Fuß überlassen. Dies gilt vor allem für Kinder und
Jugendliche, die mit dem Laufen beginnen und es von Anfang an richtig
erlernen sollten. Und für diejenigen, die Beschwerden beim Laufen verspüren,
die mit dem Laufstil in Verbindung gebracht werden könnten
(Achillessehnenentzündungen, Knieschmerzen, Muskelverhärtungen, etc.).
Ihr Coach meint
Lang bewährte Gewohnheiten gibt man nicht
leicht auf. Manchem wird es schwer fallen, den Laufstil zu ändern. Und
selbstverständlich dauert es eine Weile, bis sich der Körper an die neuen
Belastungen gewöhnt hat. Insofern sollten Sie das Vorfußlaufen - wie jede
gute Medizin - zunächst in sehr kleinen Dosen zu sich nehmen. Wenn Sie sich
daran gewöhnt haben, steht auch längeren Läufen dieser Art nichts im
Wege.
|